Auf den Spuren der Korruptionsbekämpfung

Vor Kurzem ging dank meines Partners ein kleiner Lebenstraum von mir in Erfüllung. Seit ich ein kleines Kind war, interessierte ich mich für das antike Griechenland. Der Wiege der Demokratie. Dem Land auf dessen Schultern die heutige Wissenschaft steht. Der Ort an dem Demokratietheorie, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften aber auch Formalwissenschaften ihren Anfang nahmen.

Begonnen hat meine Begeisterung mit einer Computerspielreihe: „Zeus: Herrscher des Olymp“ und „Poseidon: Herrscher von Atlantis“. Fasziniert davon, dass man dort Theater, Philosophieschulen und wissenschaftliche Bauten errichten konnte, begann meine Entdeckungsreise. Schon bald las ich von der Erfindung der Demokratie, feinsten Marmorarbeiten und wissenschaftlichen Entdeckungen.

Vertieft in Geschichtsbücher, von Kinderbüchern über Lexika bishin zu populärwissenschaftlichen Fachbüchern wurde meine Vorstellung von der Antike immer komplexer. Erstaunt las ich davon, dass Aristoteles in seinem Staatsformenschema die Demokratie als die verfallene Staatsform beschrieb. Schlimmer wurde es noch in einem modernen Vorwort zur Politeia von Platon, indem es hieß, seit der Antike gäbe es eine tiefe Kluft zwischen Politik und Wissenschaft. Dass nur ein geringer Teil der Athener Bevölkerung überhaupt Stimmberechtigt war, erstaunte mich dagegen nie, immerhin wurde dieser Punkt immer nur als Anfang einer Demokratiebewegung dargestellt und nie als ihr Höhepunkt.

Nun, kann man in all diesen Punkten die Bedeutung der antiken griechischen Stadtstaaten als überhöht sehen. Dennoch ist die Kultur von Sappho bis Aspasia nicht ganz umsonst ein ewiger Referenzpunkt. Wenngleich Demokratien wohl so alt sind wie die Menschheit, so ist doch kein älteres Schriftstück bezeugt in dem Personen aktiv über ein demokratisches Herrschaftsinstrument nachdachten. Insofern vielen das 1. Mal 3 Faktoren zusammen:

  1. Sie hatten ein demokratisches System errichtet,
  2. sie wurden sich darüber bewusst und
  3. sie entschied sich diesen Umstand schriftlich festzuhalten

In ähnlicher Weise war es auch mit der Wissenschaft. Bereits in den ältesten Hieroglyphen- und Keilschrifttexten finden wir wissenschaftliche Erkenntnisse, aber erst im Antiken Griechenland wurden auch die Argumente für diese Erkenntnisse festgehalten. Hier mag die Qualität nicht immer besonders gut gewesen sein, wenn wir an die Texte von Herodot denken, der sich die Hälfte der Zeit selbst nicht an seine eigens aufgestellten Kriterien hielt (hier waren andere wie Thukydides oder Polybius wesentlich besser), aber dass er überhaupt eine Methode festschrieb, gilt als Bruch zu davor.

Nun, bevor ich mich zu sehr in Details verliere und auch noch die letzte Leser*in meines Textes abspringt, wichtig ist, im antiken Athen wurde weder die Demokratie erfunden, noch die Wissenschaften. Beides gab es sowohl davor als auch anderswo auf der Welt. Ebenso war keine dieser Wiedererfindungen perfekt und ausgereift. Dennoch, sie haben den Grundstein für Demokratie- und Wissenschaftsbewegungen in der europäischen Sphäre gelegt.

Mit vielen Fragen und etwas Begeisterung, die ich gerne mit meinem Partner teilen wollte, reiste ich nun in einen dieser griechischen Stadtstaaten. Athen. Wohl auch jenen Stadtstaat über den wir heute aufgrund der zahlreichen Niederschriften am meisten wissen. Mit im Gepäck zahlreiche Papers über die zahlreichen Stätten die ich gerne besichtigen würde. Geschafft habe ich davon nur einen Bruchteil:

  • Die Akropolis, der Tempelkomplex am höchsten Punkt der antiken Stadt
  • Die Agora, das gesellschaftliche Zentrum des Alltags, bestend aus dem Marktplatz, zahlreichen Verwaltungsgebäuden und kleineren Heiligtümern
  • Den Areopag, Ort des Höchstgerichts und Zentrum der Athener high society, inklusive nobler Wohnbezirke
  • Der Pnyx, Ort der Athener Volksversammlung.

Erst vor Ort wurde mir klar, weshalb der Areopag und der Pnyx an den Orten lagen, an denen sie eben lagen. Aus der Ferne sehen beide aus wie langweilige Felsen. Doch wer dort steht und sich umsieht, kann die Bedeutung klar erkennen. Der Areopag hat nichts anderes über sich als den Tempelkomplex der Akropolis, wo sonst sollte man ein antikes Döbling, dass in seiner politischen Macht noch nicht erschüttert wurde bauen? Gleichzeitig kann man sehr gut ein wachsames Auge auf den niedrigeren Pnyx haben und hat wohl einen der kürzesten Wege zur Agora, welche man ebenfalls überblickt.

Dass sich die Volksversammlung auf dem Pnyx nieder lies, ist ebenfalls leicht ersichtlich. Auch er wird von der Akropolis überstrahlt, aber der elitäre Areopag sieht plötzlich gar nicht mehr so erhaben aus. Kein Wunder also, dass insbesondere in der Anfangszeit, in der die politischen Wogen wohl am höchsten gingen, die Teilnehmer an der Volksversammlung noch auf den Areopag sahen. Später, als die Athener Demokratie stabiler war wandelte sich das und der gesamte Versammlungsort wurde gedreht. Plötzlich sahen nur mehr die Redner in die Stadt, insbesondere auf die Agora und die Akropolis, das Auditorium sah nun vor allem die schützenden Stadtmauern, welche wohl an die andauernden Gefahren durch Perser, rivalisierende Stadtstaaten und Makedonier erinnerte.

Ich sitze auf dem Pnyx, dem Platz der antiken Volksversammlung in Athen

Ich musste mich setzen. Dieser Ort mit all seiner Geschichte war für mich als Demokraten von besonderer Bedeutung. Auch wenn die Spuren längst verwischt und große Teile der Anlage als Steinbruch verwendet wurden, konnte ich auch heute noch die Bedeutung fühlen. Wohl gerade durch das Abtragen der neueren Bauschichten näher an der Form Solons, als es Perikles je erleben konnte. Am Bild ist meine Ausrichtung aber wohl näher an jener der letzten Bauphase.

Während der Pnyx erst spät in meinem Leben an Bedeutung gewann, so war wohl die Agora als Kind das Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Heute ist von ihr nicht mehr viel Erhalten bis auf die Grundmauern und ein gewisser rekonstruierter Zombie die Stoa of Attalos, welche vom Chefausgräber der Agora in dessen Konstruktion aufs Heftigste kritisiert wird.

Die Vorstellung wie hier täglich Menschen ein und aus gingen, um ihre Geschäfte zu besorgen, Gemeinschaft zu suchen, sich auszutauschen, den kühlenden Schatten einer Stoa aufzusuchen oder auch in der Verwaltung arbeiteten (etwa in der Marktaufsicht, oder im Vorbereitungsgremium der Volksversammlung). Hier findet sich auch das mit Abstand spannendste Museum, welches ich in meiner kurzen Zeit besuchen konnte.

Nicht nur wurde dort auf faszinierende Weise jene Geschichte erzählt wie aus privaten Siedlungen und mykenischen Gräberfeldern, ein Ort des öffentlichen Lebens wurde, es finden sich auch einige der bedeutendsten archäologischen Fundstücke der Demokratiegeschichte. Etwa einem Kleroterion, ein Losstein, welcher für die Auswahl des Hauptausschusses der Volksversammlung verwendet wurde, ähnliche Steine gab es auch zur Bestimmung von Schöffen bei den Gerichten. Die genaue Funktionsweise ist immer noch unklar, klar ist nur Vollbürger steckten darin ihre Karten, die sie als passiv Wahlberechtigte zertifizierten und wurden dann irgendwie mithilfe einer Bronzekugel ausgewählt. Oder eine Klepsydra, eine Wasseruhr zum Stoppen von Reden, eventuell kennt ihr ja die moderne Variante davon, das rote Licht am Redner*innenpult des Nationalrats.

Ich stehe in einem Museum vor Tonscherben die mit Namen beschriftet sind (Ostrakon) und einer antiken Losmaschine zur Besätzung von Ämtern (Kleroterion)

Am spannendsten fand ich aber den wohl ältesten bekannten Antikorruptionsmechanismus, die Ostrakon. Dies sind Tonscherben in die Namen eingeritzt wurden. Wer verdächtigt wurde, eine Tyrannis aufzubauen konnte in die Bredulie geraten, wenn er zu viele Stimmen erhielt. Denn wenn das passierte, musste er für 10 Jahre die Stadt verlassen. Für etwas mehr als 100 Jahre, war dieses „Scherbengericht“ die wichtigste Korruptionsprävention, welche die Athener vorbringen konnten. Prävention ist hier auch das richtige Wort, denn streng genommen war es kein Gericht. Wer durch das „Scherbengericht“ ausgeschlossen wurde, wurde nämlich nicht als Schuldig gesehen und galt daher nach der Rückkehr als Unbescholten und konnte wieder am alltäglichen Leben teilhaben. Außer eventuell Megakles, dieser, so vermutet man aufgrund archäologischer Funde, wurde gleich zweimal ausgeschlossen. Einmal ist es zumindest in der Geschichtsschreibung gesichert.

Heute kann man sich ein solches Vorgehen mit Korruption gar nicht mehr vorstellen. Ja nicht einmal mit Korruption, eingesetzt wurde es ja bereits, wenn jemand bloß zugetraut wurde Korrupt sein zu können. Heute begnügen wir uns damit, wenn wir kleinste Reformen, wie die Erweiterung der Auskunfspflicht zur Informationsfreiheit durchsetzen. Und selbst diese, versuche ich vor Gericht gerade noch zu verteidigen. Ich musste also auch hier innehalten. Sowohl über das Schicksal über die Betroffenen, mit denen unglaublich hart umgegangen wurde, aber vielmehr noch aufgrund der Vorstellung, wie groß die Angst vor dem Kippen ihrer Demokratie gewesen sein muss. Wer bloß verdächtigt wurde so hart Korrupt zu sein, um wieder eine Tyrannis einzuführen wurde kurzerhand von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Während die wenigen Ärmsten, die dies traf, außerhalb der Gemeinschaft kaum überleben hätten können, so konnten die zahlreichen Reicheren oft dennoch gut eine neue Karriere finden. Themistokles ging etwa zu den Persern. Auch heute noch findet die ein oder andere Person ja nach dem dramatischen Ende der politischen Karriere ein neues Standbein.

Während diese Scherbengerichte formell bis ans Ende des Stadtstaats fortbestanden, wurden sie später kaum mehr eingesetzt. Sie waren nämlich bloß gegenüber der Gefahr einer Tyrannis effektiv. Die Herrschaft der 30 oder 500, zwei Versuche eine Oligarchie einzuführen, konnten sie nicht abwehren. Eine neue Institution musste her, das Graphe paranomon. Diesmal ein echtes Gerichtsverfahren zur Überprüfung eines Gesetzes.

Spannend auch: auf vielen der Tonscherben findet sich dieselbe Handschrift. Ob hier antike Wahlfälscher am Werk waren? Oder halfen Leute an den Zugängen jenen weiter, die selbst nicht schreiben konnten? Eine ungeklärte Frage. Wenngleich die moderne Forschung eher zu letzterer Theorie tendiert. Vor allem auch in Anbetracht dessen, dass für Gesetzestafeln ebenfalls jederzeit Menschen auf der Agora zur Verfügung standen, welche diese vorlesen konnten.

Leider ging es sicht nicht mehr aus, nach diesen wichtigen Orten der Demokratie, auch noch Platons Akademie oder Aristotheles Lykeion zu besuchen, 2 der wichtigsten antiken Schulen, aber immerhin sah ich die Stoas auf der Agora. Eine weitere Reise von den Spuren der Wissenschaften, ist also garantiert.

Vom richtigen Teilen der Macht

Kürzlich kam mir in der Vorlesung „Aktuelle Debatten“ eine Überlegung wie wichtig es ist wie man Kompetenzen teilt. Eigentlich habe ich diesen Gedanken schon länger aber nun ist er etwas strukturierter. In „Aktuelle Debatten“ behandeln wir verschiedene Themengebiete anhand von vier verschiedenen sozialwissenschaftlichen Perspektiven. Letzten Freitag war der „Staat“ aus Sicht der „Kultur- und Sozialanthropologie“ an der Reihe.

Konkret geht die Kultur und Sozialanthropologie davon aus, dass mit der Gruppengröße auch die Teilung der Zuständigkeiten komplexer wird und Verantwortungen ausdifferenzierter werden. Man kann gut im historischen Verlauf beobachten. Zuerst wurden die stärksten Mitglieder auch zu den Führerinnen oder Führern einer Gruppe, dies hieß aber auch, dass immer wenn sich eine Jüngere oder ein Jüngerer besser fühlt ebendiese den Machtanspruch stellen konnten. Mit der Vergrößerung der Gruppe etablierte sich dann eine Adelsschicht, die Gruppe begann also damit verschiedene Gesellschaftsebenen mit jeweils eigenen Rechten aber auch Verantwortungen einzurichten. Aber auch innerhalb der Ebenen kam es zu einer eigenen Verantwortungsverteilung, konnten zum Beispiel bei den Wikingern noch lange Zeit Frauen mächtige Positionen einnehmen war dies in den meisten anderen mittelalterlichen Gesellschaften nicht mehr so. Der Adel hatte eine streng patriarchale Ausrichtung. Weiter gedacht wurde irgendwann mit der zusätzlich steigenden Größe die Kompetenzverteilungen noch stärker. Die Gewaltenteilung wurde eingeführt und mehrmals überarbeitet bis sie ihre heutige Form erreicht hat. Am Wiener Kongress experimentierte man erstmals sehr erfolgreich mit Ausschüssen als Expertenebene einer Versammlung. (Vgl. Hermann Mückler 2011, S. 55ff)

Spätestens seit 1848 wird die horizontale und vertikale Verteilung der Kompetenzen mit einem Text geregelt und ist nicht mehr nur ein komplexes System aus Verträgen, Belehnungen, Gewohnheiten und verschiedensten Personalunionen. Dieser Verfassung bzw. die heutige Form unserer Gesetze hat es uns somit ermöglicht, dass sich die Aufteilung der Macht nicht nur sozialdynamisch ergibt sondern wir einen ganz bewussten Einfluss auf sie ausüben können. Und darüber müssen wir uns bewusst sein, jede Aufteilung von Macht hat Einfluss darauf wie sie gelebt wird. Ordnen wir das Wissenschaftsressort einem anderen Ministerium unter oder wird es ein eigenes Ministerium? Erhält jedes Ministerium eine eigene Beauftragte oder einen eigenen Beauftragten für digitale Agenden oder richten wir ein eigenes Staatssekretariat dafür ein? Richten wir eine eigene Rechtsschutzinstanz ein oder erhalten BMI und BMJ jeweils ihre Hausinterne? Kurzum kann man es in folgende Kernfragen einteilen:

  • Welches Organ erhält welche Zuständigkeiten?
  • Welches Organ erhält welche Sanktionsmöglichkeiten?
  • Welches Organ erhält welche zweckbestimmten Gelder?
  • Welchem Organ sind welche anderen Organe nachgeordnet?

Prinzipiell lässt sich sagen, dass ein Themengebiet nur ernst genommen wird wenn es dafür zuständige Institutionen gibt. Dies muss jetzt nicht heißen, dass man gleich ein eigenes Ministerium für ein Themengebiet einrichten muss, es kann auch bedeuteten, dass in jedem Ministerium jemand die Zuständigkeit für ein solches Themengebiet erhält. Wie man sie teilt hängt immer mit den Erwartungen an die Teilung zusammen und somit ist die Verantwortung über die Aufteilung der Macht eines der größten Machtinstrumente dem sich vor allem das Parlament aber auch die Regierung bewusst sein sollte.

Nun muss die Aufteilung der Macht aber nicht in Stein gemeißelt sein. Auch Vereine und Firmen sind von ihr betroffen. Hier hat man es wieder mit besonders kleinen Gruppen zu tun bei denen man besonders auf die Fähigkeiten der einzelnen Akteure achten sollte bei der Verteilung der Kompetenzen. Meine eigene Theatergruppe stand kurz davor sich aufzulösen da unser damaliger Obmann, der sowohl die Geschäftsführung als auch die Regie innehatte, nicht mehr weitermachen wollte. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger mit den selben Fähigkeiten fand sich nicht also entschied man sich in einer langen Verhandlungsnacht dazu (neben viel Wein) diese beiden Funktionen zu trennen. So fand sich ein neuer Geschäftsführer der für die organisatorischen Aufgaben zuständig war und unser ehemaliger Obmann beschränkte sich fortan auf die Regie. Wenn nun eine der beiden Funktionen neu besetzt werden muss, muss nicht zwangsweise diese Position besetzt werden, man könnte sie entweder weiter teilen oder wieder zusammenlegen. Auch die Schaffung 2er neuer Funktionen die eine ganz andere Kompetenzverteilung aufweisen als die aktuelle wäre denkbar.

Der Spruch „Teile und Herrsche“ wurde vor ungefähr 500 Jahren formuliert, prinzipiell aber schon im antiken Rom gelebt. Damals klar mit anderer Bedeutung, aber selbst hier liegt im Prinzip diese Macht der Teilung zugrunde.

Mein Gedanke an die Zukunft

Immer wieder haben großartige Personen von einer Zukunft geträumt. Diese Träume haben unsere Welt geprägt und geformt. Ich will mir zwar nicht anmaßen, so großartig wie Ada Lovelace oder Marthin Luther King zu sein, aber auch ich habe eine Vorstellung von der Zukunft, von der ich hoffe, dass sie sich erfüllen wird. Viel zu oft habe ich in letzter Zeit den Eindruck, dass wir uns in eine ganz andere Richtung bewegen, darum möchte ich mir hier wieder eine Vison für die Zukunft geben und euch an dieser Motivation teilhaben lassen.

Wissen

Die meisten Menschen haben eine Grundmotivation in ihrem Leben. Manche leben für den Spaß in ihrem eigenen Leben, andere dafür, dass es möglichst vielen Menschen gut geht. Meine Lebensmotivation ist es, am Ende meiner Tage möglichst viel zu wissen, um nicht zu sagen alles zu wissen. Freilich werde ich dieses Ziel so nicht erreichen, aber ich kann versuchen, so viel zu lernen und zu verstehen wie nur irgend‘ möglich. Wissen gibt mir die Macht es dafür einzusetzen andere Ziele zu erreichen. Es ermöglicht mir, die Welt möglichst gut zu beeinflussen und folglich auch es mir und allen meinen Mitmenschen gut gehen zu lassen.

Wissenschaftlichkeit

Heute entstehen wissenschaftliche Analysen so schnell wie nie zuvor. Viele davon werden später widerlegt, aber gerade dadurch weiß man, wie etwas nicht ist. Sigmund Freud gilt heute als Begründer der modernen Psychologie, trotzdem gelten seine Theorien großteils als widerlegt. Aber er war es, der das Prinzip der Wissenschaftlichkeit in die Psychologie eingeführt hat. Alles hat eine Ursache und kann daher belegt werden. Wir können nur gescheit handeln, wenn wir unsere Handlungen auf echtem Wissen wurzeln lassen.

Transparenz

Das Internet gibt uns die Möglichkeit, auf all dieses erworbene Wissen zuzugreifen. Wir leben in einer Welt in der eine Vielzahl an Informationen frei zur Verfügung steht. Noch mehr, in Projekten wie Wikipedia sehen wir sogar, wer versucht, einen Artikel in welche Richtung zu verändern. Wir haben damit die Möglichkeit zu verstehen wer, warum an einer Meinung festhält, und zu beobachten, wie groß diese Gruppen sind. Im Mittelalter gab es keinen solchen Gesamtschatz an Wissen von allen Seiten und Disziplinen. Heute und in Zukunft gibt es die Möglichkeit, hier gesammelt über einige Plattformen einen transparenten Dialog zu führen.

Informationsfreiheit

Doch selbst im Zeitalter der freien Informationen, in dem Daten als Gold des 21. Jahrhunderts gelten, wissen wir noch nicht alles. Es fehlt an staatlichen Informationen, an Kennzahlen aller möglichen Unternehmen und am Wissen, wie mein Produkt produziert wird das ich gerade benutze oder esse. Manche Daten, wie die staatlichen, erklimmen wir uns in mühseliger Kleinarbeit. Andere werden uns verborgen bleiben bis wir sie mit vernüftigen Methoden freilegen. Denn ich will im 21. Jahrhundert wissen, wie die Gene meiner Nahrung verändert wurden, unter welchen Arbeitsbedingungen meine Kleidung hergestellt wurde und wo die Einzelteile meines Autos/Zugs durch die Welt herumgeschifft wurden.

Mitbestimmung

All die technischen Möglichkeiten geben uns erst das Werkzeug in die Hand, mit dem wir die Welt in Zukunft formen können. Wir benutzen Wikis in unseren Firmen und Abstimmungstools in unseren Vereinen. Wir können die Welt aufgrund unseres Wissens formen. Wir können verstehen, wie wir sie formen und was unser Handeln bewirkt. Welche Steine wir ins Rollen gebracht haben und welche Memes wir verbreitet haben.

Unsere Verantwortung

In der Welt der Memes können wir Meinungen so schnell und einfach verbreiten wie noch nie zuvor. Ich selbst stelle mir es vor wie einen Baum. Die Wurzeln sind das Wissen und die Information ,die wir, der Stamm, nutzen, um die Gesellschaft, die Äste und Blätter, mit unserer Energie, dem Wissen, zu versorgen. Und wir haben die Verpflichtung, dieses Werkzeug gewissenhaft einzusetzen um eine Zukunft zu formen in der wir alle miteinander auf diesem Planeten in einer Weltgemeinschaft leben wollen.

Liebe Grüße
Erwin Ernst Steinhammer